Zumutung Auferstehung?

Zumutung Auferstehung

Die Auferstehung Jesu ist für viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes „unglaublich“. Dass ein Toter wieder lebendig, gar körperlich wieder aus dem Grab aufsteht, das mag ein guter Stoff für eine Gruselgeschichte sein – aber für den Glauben?
Von Anfang an standen die Berichte über die Auferstehung Jesu unter Schwindelverdacht und mussten von seinen Anhängern verteidigt werden. Paulus, (der den vorösterlichen Jesus nicht kennen gelernt hat) dem Christus in einer Vision erschienen ist, hat sogar noch eins „draufgesetzt“ und im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, die Auferstehung zum Kern des christlichen Glaubens erhoben:
„Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren.“ Müssen gute Christinnen und Christen also an die Auferstehung glauben?
Rückfrage: Was wäre, wenn wir den Glauben an die Auferstehung zur Disposition stellten? Antwort von Paulus: Dann wäre der Glaube nichtig! Und die Verstorbenen verloren!
Und wir ebenfalls, weil auch wir eines Tages sterben werden. Deshalb war der Glaube an die Auferstehung für Paulus so zentral. Denn die ganze „Mission“ Jesu, seine Menschwerdung, sein Weg ans Kreuz, sein Tod – all das hatte nach Paulus das eine Ziel, die Menschen, die inder Gottferne leben, zurück in Gottes Nähe zu holen. Das galt übrigens sowohl für die Lebenden wie für die Toten.
Denn „tot“ waren auch die Unreinen, die Leprakranken, die sozialen „outcasts“, die Armen und Geächteten.
Nach antiker Auffassung war das Reich des Todes der Bereich der Gottferne. Wäre Jesus nicht gestorben und, wie wir im Glaubensbekenntnis bildlich sagen: „hinab gestiegen in das Reich des Todes“, so wären alle Totenim Bereich der Gottferne geblieben – und verloren gegangen.
Weil aber Jesus hinab gestiegen ist und das Leben in den Tod hineingetragen hat, sind die Toten nicht verloren, sondern sie sind wie wir gerufen zur Auferstehung.
Noch mal Paulus: „Wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht.“ Also auch wir!
Die Frage ist also eher: Wie können wir „Auferstehung“ heute verstehen, ohne uns dabei geistig und intellektuell verrenken zu müssen? Ein erster Schritt könnte sein, Auferstehung nicht in erster Linie biologisch, als Wiederbelebung des toten Körpers zu sehen, sondern als ein geistliches Geschehen: was tot war, was abgestorben und von Gott getrennt war, das wird wieder lebendig, das bekommt neue Kraft in der Nähe Gottes. Zwei Menschen, die im Streit gelegen haben, versöhnen sich. Die todbringende Krankheit wird geheilt unter der Hand eines weisen Arztes. Eine Frau, die den Kinderwunsch schon aufgegeben hat, wird doch noch schwanger. Ein Volk erhebt sich mit dem Ruf „wir sind das Volk“ nach Jahrzehnten der Unterdrückung gegen das Unrechtsregime.
Auferstehungserfahrungen. Ganz diesseitig. Auferstehung im Neuen Testament ist aber noch mehr als der Aufstand hier und jetzt gegen den Tod. Ist mehr als die Auferstehung ins Leben hier und heute, die uns als Protestanten, als Protestleute gegen den Tod, aufgegeben ist. Auferstehung meint auch die Auferstehung am Ende der Zeit, wenn wir gestorben sind. Als neu werden des Lebens. Und da kommt auch die leibliche Seite der Auferstehung ins Spiel. Die biblischen Berichte bezeugen immer auch einen Körper. Leib und Seele gehören im Neuen Testament untrennbar zusammen. Obwohl diesem Leib noch das frühere Leben anzusehen ist (z.B. die Wundmale bei Jesus), ist er doch „neu“, „anders“, ein „geistlicher Leib“.
Wir sollten die Auferstehung also nicht zu biologisch, dafür umso mehr geistlich verstehen. Als etwas, was unser jetziges Verstehen noch übersteigt und deshalb „unfassbar“, „geheimnisvoll“, ja, „unglaublich“ bleibt. Und doch: Ohne den Glauben an die Auferstehung bliebe der Tod machtvoll, die Toten verloren, und wir: unerlöst. Erst durch die Auferstehung Jesu als dem Ersten und wir ihm nach bekommt unser Leben vom guten Ende her seinen Sinn. Werden auch Leiden und Tod hier, im Diesseits, als Vorletztes angesehen, dem ein Letztes, die Auferstehung, folgt. So gesehen ist der Glaube an die Auferstehung kein „Glauben müssen“, sondern ein „Glauben wagen“.
Ein Wagnis aber, das verheißt, im Leben und im Sterben getragen und gehalten zu sein.
Marc Blessing