"… da berühren sich Himmel und Erde"

Konfirmandenunterricht und Konfirmation

 

Es ist ein entscheidender Schritt zum Erwachsenwerden. Und vielleicht das schönste Fest, das man als Jugendlicher feiern kann: Die Konfirmation.
Ich erinnere mich: Wir waren 38 Jungs und Mädchen. In zwei Gruppen wurden wir unterrichtet. Im Konfirmationsgottesdienst mussten wir den Katechismus Martin Luthers aufsagen. Was waren wir aufgeregt! Die tagelangen Vorbereitungen: Ein Anzug musste gekauft werden (nichts passte! am Ende kamen Sicherheitsnadeln zum Einsatz), Kuchen wurden gebacken, Essen zubereitet, das Haus gewienert, der Garten zurecht gemacht. Alles sollte schön und festlich sein.
Begleitet von Patentanten und –onkeln, von Großeltern und Eltern, Cousins und Cousinen und den Geschwistern, zogen wir durch den Klosterhof zur Kirche. Eine Rose am Revers. Die Menschen bildeten ein Spalier. Alles war
vorbereitet: nur für uns!!
Und dann der Moment, in dem uns die Hände segnend aufgelegt wurden. Irgend etwas „geschah“ da, das ich gar nicht in Worte fassen kann. Ich spürte (oder war es mehr ein Ahnen?), dass mein Leben von etwas Größerem gehalten wird. Dass ich verwoben werde mit einer Gemeinschaft von Menschen, die an Gott glauben. Nicht nur in dem kleinen Ort Maulbronn. Sondern weltweit. Körperlich
konnte ich den Segen spüren: Du bist in Gottes Hand. Bis heute denke ich an die Mitkonfirmandinnen und –konfirmanden, die ich längst aus den Augen verloren habe.
Etwas, „das höher ist als unsere Vernunft“, hat uns verbunden. Ich bin sicher, sähe ich sie heute wieder, es gäbe viel zu erzählen.
Konfirmation heute? Ich glaube, es hat sich nicht so viel geändert. Außer vielleicht, dass weniger auswendig gelernt werden muss. Meine Großeltern mussten noch 156 Liedstrophen auswendig lernen. Neben dem kl. Katechismus.
Heute stehen Aspekte wie Gemeinschaft, Gespräch, Erfahrung, auch Feier und Gebet stärker im Vordergrund. Auch mal wegfahren oder einfach mit einander spielen. Eine Gruppe werden, Vertrauen aufbauen. Auch Spaß haben.
Wer weiß, ob nicht am Ende dann auch das Versprechen leichter wird: Ja, ich will mein Leben in Gottes Hand legen.
Ich will es wenigstens versuchen mit diesem Gott, der von sich aus sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!
Dass ein Mensch zum Glauben kommt, das liegt nicht in unserer Hand. Es ist Glück und Gnade, wenn da Menschen sind, die uns Vorbild, Hilfe, Stärkung sein können in
unseren Krisen. Das können Eltern sein, Paten vielleicht, vielleicht auch Mitkonfirmanden, die ein Stück Vorbild sind, oder andere Jugendliche. Vielleicht auch der Pfarrer/die Pfarrerin, bestimmt auch die Gemeinde. Glauben heißt nie,
fertig sein. Glauben heißt auch nicht, alles abdecken müssen, was in der Bibel steht. Glauben heißt: aufbrechen.
Heißt: etwas wagen. So, wie zwei Menschen bei der Hochzeit sich „trauen“ zu versprechen, für einander da zu sein, „in guten und schweren Tagen“. So braucht man auch für die Konfirmation die „Traute“, den (Tauf-)Bund mit Gott neu zu „befestigen“ (=konfirmare, festmachen).
„Ich bin der Gott, der für dich da sein will.“ Willst Du das? Mehr als ein „Ja“ braucht es nicht zur Konfirmation.
An Pfingstsonntag, dem 23. Mai 2010, dem Tag, an dem wir an die Ausgießung des Heiligen Geistes erinnert werden, werden 21 junge Menschen konfirmiert. Damals
hieß es, jeder sprach in einer anderen Sprache – aber alle verstanden sich. So könnte auch die Konfirmation ein echtes Pfingstwunder werden: Jede und jeder darf auf seine oder ihre Weise den Glauben ausdrücken, die einzelnen Sprachen des Glaubens sind Zeichen der Vielfalt. Und doch verstehen wir uns über alle Unterschiede und Grenzen hinweg. Der Glaube verbindet Gott und Menschen. Beten wir für die jungen Leute in den nächsten Wochen, dass sie am Tag ihrer Konfirmation etwas von Gottes Nähe spüren und ihr Leben in seine Hände legen.


Wo Menschen sich vergessen,

die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,

dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.


Marc Blessing