Gottesdienst

Geborgen in seiner Nähe,

geleitet durch sein Wort,

gestärkt in seiner Kraft,

ermutigt zur Tat.

 

Gottesdienst eröffnet Gottesbegegnung. Menschen kommen zusammen, um Gott und einander zu begegnen. Martin Luther hat das einmal so beschrieben: „Das ist Gottesdienst, dass nichts anderes geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch unser Gebet und unseren Lobgesang.“

Die Feier des Gottesdienstes ist Ziel und Höhepunkt des Gemeindelebens. Hier feiern wir Sonntag für Sonntag ein Fest der Auferstehung - den Sieg des Lebens über den Tod. Den Zuspruch der Vergebung durch Jesus Christus. Hier bin ich willkommen, so wie ich bin. Ohne vorher etwas geleistet zu haben, ohne etwas mitbringen zu müssen, ohne „jemand zu sein“. Hier bin ich vor Gott. Unverstellt. Zusammen mit anderen Menschen, die ich mir nicht ausgesucht habe. Die wie zufällig neben mir sitzen. Die mich aber aufnehmen als einen der Ihren: Bruder und Schwester. Hier komme ich zur Besinnung. Meine Seele findet Ruhe nach einer bewegten Woche. Hier werde ich getröstet, aufgerichtet, angestoßen, bewegt. Ich höre auf einen Abschnitt der Heiligen Schrift. Nehme Gottes Wort in mich auf. Komme ins Nachdenken. Ich lasse mich anspornen zum „Gottesdienst draußen in der Welt“.

Das Brot wird geteilt. Der Kelch macht die Runde. Am Tisch Gottes feiern wir, was wir im Alltag nur zeichenhaft sein können: Gottes Kinder, seine Gemeinde, versöhnte Brüder und Schwestern. Friedlich beieinander. Und zum Schluss der Segen: Geht hin als die Gesegneten Gottes.

„Ich sah uns eine alte Kirche betreten, ein Schiff, das uns aufnahm, das uns in ein Land trug, wo keine Bürgschaften verlangt wurden, wo man nicht zurück gewiesen oder mit Unbehagen betrachtet wurde, ein Land, das sich umso mehr als Heimat erwies, je fremder es vielen von uns zuerst schien. Ich sah uns an der rechten Seite der Kirchenbänke entlang gehen. Nie war die Tür verschlossen, die Treppe versperrt, die uns weiterführte. Nie waren wir unwillkommen, nie war die Stimme ungeduldig, die uns empfing. Das Glück, das uns hier gewünscht wurde, hielt stand.“ (Ilse Aichinger).

So könnte Gottesdienst sein. Ein Ort, an dem ich sein darf. Ein Schiff, das mich trägt durch die Stürme des Lebens. Eine Heimat, zu der ich zurückfinde, wenn ich mich im Gestrüpp des Lebens verloren habe, wie einst der verlorene Sohn. Die Arme Gottes sind ausgestreckt.

Ich möchte Sie einladen, wieder einmal in die Kirche zu kommen. Gerade die Kar- und Osterwoche ist eine gute Zeit, in der Vielfalt des gottesdienstlichen Lebens einen Zipfel vom Glück Gottes zu erhaschen. Am Gründonnerstag feiern wir in Erinnerung an Jesu letztes Mahl mit den Seinen ein Feierabendmahl um einen gedeckten Tisch mit richtigem Abendessen. Die mitgebrachten Speisen werden geteilt. Der Karfreitagsgottesdienst hat einen stillen und meditativen Charakter. Wir gedenken des Sterbens Jesu Christi am Kreuz. Und dann ist Ruhe bis zur Osternacht. In die dunkle Kirche – Sinnbild des Grabes – wird das Osterlicht getragen mit dem Ruf: „Christus ist das Licht“. Und dann: „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden“. Wir feiern zusammen mit der englischsprachigen Gemeinde den Anbruch des neuen Tages, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Am Ostersonntag findet das Osterfest seinen Höhepunkt mit einem Familiengottesdienst. Nicht Tod, sondern Leben. Nicht Abbruch, sondern Neubeginn: Nichts kann uns mehr scheiden von der Liebe Christi. Das feiern wir. Nicht nur an Ostern. Sondern an jedem Sonntag. Und dann auch im Alltag des Lebens. Lassen Sie sich einladen! Herzlich Willkommen!

 

Ihr Marc Blessing