Pfingsten

Sie sammelten die Reste

Ihrer Freundschaft ein. 

Es reichte nicht aus,

unterm Kreuz bei ihm zu sein.

Sie saßen weitab 

Mit angstvollen Augen,

während Er starb.

Ernüchtert bis zum Ekel,

enttäuscht bis in die Wurzel des

Herzens hinein,

Wesen zwischen Welt und Unterwelt,

Jünger, Apostel, Erwählte,

Sehende, die doch nichts sahen,

Hörende, die doch nichts hörten,

Glaubende, die doch nichts glaubten,

unerweckt, unerleuchtet,

Opfer der Angst,

Erben eines Gekreuzigten.

Bis der Geist kam

Und ihre Bilder von

Jesus verbrannte

Und ihre Träume von Macht

Verwehte.

Da erhob sich der schmerzscheue

Petrus

Und begann lebensgefährlich zu

reden

Wie Isaias und Jeremias zuvor,

und kein Kreuz konnte ihn hindern

daran, allen Menschen zu sagen:

Der Gekreuzigte lebt. (Martin Gutl) 

 

Das ist Pfingsten: Menschen erfahren die Kraft des Heiligen Geistes. In ihnen fängt ein Feuer an zu brennen für den lebendigen Gott. Sie vertrauen sich dem Gekreuzigten an. Mit Haut und Haaren. Weil sie spüren, dass dieser Jesus von Nazareth kein Scheinheiliger war, kein Simulant, keiner, der nur redet, aber nichts tut. Vielmehr einer, der geliebt hat, so sehr, dass er dafür mit seinem Leben eingestanden ist. Das, und nichts anderes, haben Petrus und all die anderen Verzagten damals erfahren – und geglaubt: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen – und werdet seine Zeugen sein. Aus einem verzagten Häuflein Elend ist eine Gruppe von Frauen und Männern geworden, die es gewagt haben, hinaus auf die Straßen, hinein in die Welt zu gehen, und von diesem Jesus aus Nazareth zu erzählen. Von seiner Liebe zu den Geringsten. Von seiner Achtung für Kinder. Von der Kraft der Vergebung für Gefallene. Und von seinem Tod am Kreuz. An Pfingsten werden 16 Jugendliche aus unserer Gemeinde konfirmiert. Sie haben sich anderthalb Jahre auf diesen Tag vorbereitet – und bitten nun um die Kraft des Geistes und den Segen Gottes für die Lebensreise. Glaubende, die doch nichts glauben? Sehende, die doch nichts sehen? Hörende, die doch nichts hören? Es gehört Mut dazu, sich zu diesem Jesus zu bekennen. Nicht nur damals. Auch heute, wo kaum noch jemand für etwas einsteht. Wirklich einsteht, mit Haut und Haaren. Es gehört Mut dazu, mit 14 Jahren zu sagen: Ich will es mit diesem Jesus versuchen. Gott sagt: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Und werdet meine Zeugen sein. Gott traut uns was zu. Ob wir 14 oder 24 oder 84 Jahre alt sind. „Ihr werdet!“ – vertraut nur diesem Gott, der so mütterlich-väterlich uns am Leben hält. Ihr werdet Zeugen des Lebens sein. Ihr werdet aufstehen, wenn Klassenkameraden gemobbt werden. Ihr werdet protestieren, wenn Gottes Name gelästert wird. Ihr werdet Hilfe holen, wenn in eurer Nachbarschaft Kinder misshandelt werden. Ihr werdet zu Gott schreien, wenn die Ehe der Eltern in die Brüche geht. Ihr werdet nicht weichen! Weil Jesus an eurer Seite ist. Weil ihr wisst, dass er den ganzen Schlamassel des menschlichen Lebens ans Kreuz genommen und begraben hat. Auf dass ein neuer Morgen heraufziehe, der Morgen der Auferstehung, in dem alles in ein neues Licht getaucht wird. Die Bitterkeit weicht. Der Modergeruch des Alten verweht. Pfingsten: Ich atme auf. Ich rieche den neuen Morgen, die klare Luft. Leben strömt durch meine Adern. Und ich singe mit Worten des 118ten Psalms:

Das ist der Tag des Herrn, ich will ihn feiern. Er soll meine Freude sein. Ach, Herr, hilf doch! Ach, Herr, lass es doch gut gehen. Und wir segnen euch, von seinem Hause her. Er, der Herr, erleuchte uns. Mit Blumen in den Händen kommt zusammen. Zum Tanz, bis zum Fuß des Altars. Du bist mein Gott, dir will ich danken. Mein Gott. Dich will ich preisen. Dankt ihm, denn er ist gut. Und unser Gott ist er auf ewig.

Marc Blessing