Pilgern

Wegweise auf dem Pilgerweg

Pilgern

Vertraut den neuen Wegen,

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

 

Mit dem Bild des Weges wird unser Leben sehr häufig verglichen. Manchmal verläuft ein Lebensweg relativ gerade durch eine Landschaft, meistens ist ein Lebensweg aber auch von Umwegen, Abbrüchen, ganz unterschiedlichen Umgebungen und Neuanfängen gekennzeichnet. Oft stocken wir unterwegs und fragen uns, ob und wie der Weg weitergehen kann. Und manches Mal braucht eine Entscheidung an einer Weggabelung viel Überlegen, Zögern und dann Mut. Wir gehen unseren Weg nicht allein: oft mit anderen Menschen und immer begleitet durch Gott, auch wenn es für uns nicht immer spürbar oder bewusst ist. Eine Möglichkeit, sich diese Begleitung Gottes bewusst zu machen und sich ihrer zu vergewissern ist das Pilgern. Beim Pilgern geht man ganz bewusst einen Weg mit dem Ziel sich mit Gott, seinem Wort und seinen Wegweisungen zu beschäftigen. Der Unterschied zwischen Pilgern und Wandern ist der, dass ich beim Pilgern bewusst den Tag mit Gebets- und Schweigezeiten einteile und mich mit mir selbst und mit Gott beschäftige. Wandern ist ein ruhiges Vorankommen, eine äußerliche Unternehmung. Pilgern ist ein bewegtes Innehalten: indem ich mich auf den Weg mache und mich aus meinem Alltag herausbewege, kann ich innehalten. Pilgern ist ein innerlicher Vorgang, auch wenn das Gehen und Rucksacktragen manchmal sehr mühsam sind. Beim Gehen erlebt sich der Pilgernde Tag für Tag als einen, der auf dem Weg ist, auf dem Weg nach Hause, zu Gott hin. Leib, Seele und Geist sind einbezogen – das Leben wird langsamer, die Sinne werden für die Umgebung und für Kleinigkeiten geschärft und manches sortiert sich im Gehen und durch die Wegerfahrung wie von selbst. Pilgern lässt leibhaftig erfahren, dass Leben Unterwegssein bedeutet, mit all den Aspekten die dazu gehören: Sich innerlich vorbereiten und den Rucksack packen; den Aufbruch wagen; nicht zu wissen, wo man abends schlafen wird; unerwartete Begegnungen und Schwierigkeiten erleben; manchmal über eigene Grenzen gehen müssen und können; mit sich selbst, mit Gott und mit der Natur in Kontakt sein; ein Ziel vor Augen haben; Ankommen… Mit wenigen und einfachen Mitteln ist es möglich, auch schon eine Nachmittagswanderung als Pilgerweg zu gestalten – ob allein oder in Gemeinschaft ist egal. Mit einem Lied, einem Bibelwort unterwegs sein, in den Rhythmus des Gehens zu kommen, die Gedanken laufen zu lassen und sie doch immer wieder auf Lied oder Wort zurückzuführen. Am Ende des Weges gibt es dann einen kurzen Austausch über die Erfahrungen und Gedanken auf dem Weg – oder man schreibt für sich einige Sätze auf. Vielleicht haben Sie ja Lust, solch eine erste Pilgerübung in den Sommerwochen zu unternehmen. Bleiben Sie behütet auf Ihren Wegen, und genießen Sie den Urlaub auch als Zeit zum Innehalten und Sich- Besinnen auf die Begleitung unseres Gottes, Ihre Lore Rahe