Religionsfreiheit - ein Menschenrecht!

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

(Art. 1, Allg. Erklärung der Menschenrechte)

 

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

(Art. 18, Allg. Erklärung der Menschenrechte)

 

Das Recht auf Religionsfreiheit gehört zu den grundlegenden Menschenrechten. Dennoch sind weltweit insbesondere Christen von der Verletzung dieses Rechts betroffen. In zahlreichen Ländern müssen sie Diskriminierungen erdulden und oft sogar um ihr Leben fürchten.

 

Nach Schätzungen von Menschenrechtlern sind rund 80 Prozent der Menschen, die weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden, Christen. Das Christentum ist damit die meistverfolgte Religion.

Ein Vergleich zeigt: Besonders brutal werden Christen in Nordkorea behandelt. Zehntausende sind in Lagern gefangen, andere müssen Vergewaltigung, Mord und Kirchenbrände fürchten. Häufig reicht schon der Besitz einer Bibel für Einschüchterung, Inhaftierung oder sogar Mord.

 

Der von dem überkonfessionellen Hilfswerk Open Doors herausgegebene Weltverfolgungsindex führt 50 Staaten auf, in denen Christen ihrem Glauben nicht unbehelligt nachgehen können. In die Liste fließen sowohl veröffentlichte Berichte als auch Experteneinschätzungen sowie Zeugenbefragungen mit ein.

 

Hinter Nordkorea rangieren auf dem Index Iran, Afghanistan und Saudi-Arabien.

 
In der islamischen Republik Iran wurden zwischen Dezember 2009 und März 2010 Hunderte der insgesamt etwa 450 000 Christen inhaftiert. Vor allem Armenier und Assyrer berichten von Verfolgungen, Misshandlungen und Diskriminierung. Im Nachbarland Irak haben seit 1991 zwei Drittel aller Christen das Land verlassen. Auch in Afghanistan hat sich die Situation der Gläubigen verschlechtert. Besonders im Visier stehen ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertiert sind. Im vom Bürgerkrieg zerstörten Somalia ist die Lage ebenfalls desolat: „Die extremistische al-Schabab-Miliz macht regelrecht Jagd auf Christen“, berichtet Open Doors. Rund ein Viertel der dort lebenden Christen hat deshalb das Land verlassen.

 

Allerdings werden Christen nicht nur in islamischen Ländern unterdrückt. Im indischen Unionsstaat Orissa wurde der christlichen Gemeinschaft der Mord an einem hinduistischen Geistlichen angelastet. Während der darauf folgenden Gewaltwelle sind nach Angaben von „Christian Solidarity International“ 500 Christen getötet und rund 50.000 vertrieben worden.

 

Jesus lehrt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Die Feindesliebe verpflichtet Christen zum Dialog oder, wo er unmöglich geworden ist, zum gewaltfreien Widerstand gegen alle staatlichen Übergriffe. Und wo immer es möglich ist, sollten Christen für die Freiheit der Religionsausübung (und nicht nur ihrer eigenen) beten, streiten, singen, handeln. Der Entscheid über das Verbot von Minaretten im Jahr 2009 hat deutlich gemacht: Auch in der Schweiz ist die Freiheit der Religionsausübung als Grundrecht noch nicht überall angekommen. Weisen wir also nicht mit dem Finger auf andere. Auch vor unserer eigenen Haustür ist der Einsatz für Menschenrechte nötig.

 

Marc Blessing