Kirche lebt von...

Du bist ein Engel! Ehrenamt in der Kirche.

Ja, wovon lebt sie eigentlich? Die Kirche, so heisst es in der Confessio Augustana in Artikel 7, lebt von der Versammlung der Gläubigen, der Predigt des Evangeliums und den Sakramenten. So kurz, so wenig. Wo diese angetroffen werden, da ist „ganz“ Kirche. Nicht die ganze Kirche, denn die ist immer noch grösser und weiter als jede einzelne Gemeinde. Aber dennoch „ganz“, im Vollsinn des Wortes „Kirche“: Kirche Jesu Christi. Communio sanctorum. Mehr ist scheinbar nicht nötig. Oder doch?

Wir wissen - nicht zuletzt in einer Auslandsgemeinde wie Genf -, dass zu einer funktionierenden Kirche mehr gehört: Ein Gebäude, in dem sich die „Gläubigen“ versammeln können, Menschen, die verantwortlich leiten und führen, Gruppen und Kreise, in denen nach der Bedeutung des Glaubens für die heutige Zeit gefragt wird, natürlich auch das gottesdienstliche Leben, das neben den Sakramenten und der Predigt auch musikalische, künstlerische und lehrende Verkündigungsformen kennt. Und dann die „weichen“ Faktoren, das Zwischenmenschliche: Eine gute Atmosphäre, ein freundliches Miteinander, gegenseitige Wertschätzung, Lebensfreude, geschwisterliche Solidarität, Engagement und Hilfsbereitschaft. Auch das macht eine Kirche aus und davon lebt sie.

Dieser Gemeindebote will Rechenschaft ablegen über die Aktivitäten des vergangenen Jahres. Und immer wieder staune ich: So bunt, so reich, so vielfältig ist unsere Gemeinde. So abwechslungsreich auch ein Kirchenjahr. Dank allen, die die Gemeinde auf jegliche Weise unterstützen.

Ja, Kirche ist mehr, als in den Bekenntnisschriften festgehalten ist. Aber es tut gut, sich ab und zu zu vergewissern: Stimmt die Richtung noch? Sind wir auf einem guten Weg? Wird in unserem Tun und Handeln – und auch in unserem Lassen! – etwas sichtbar von der Menschenfreundlichkeit Gottes?

Danach zu fragen ist wichtig. Sonst verknöchert eine Gemeinde und die Kirche erstarrt. Deshalb hat Martin Luther von der „ecclesia semper reformanda“, der immer zu erneuernden Kirche gesprochen. Was könnte noch verbessert werden? Wo liegen noch ungehobene Gaben und Möglichkeiten? Und wie wünsche ich mir meine eigene Gemeinde? Wir sind dankbar für Anregungen, für konstruktive Kritik, für Vorschläge, wie die Gemeinde sich weiter entwickeln kann.

Herzliche Grüße,

Ihr Marc Blessing