Liebe

Das ist alles Liebe

Das ist alles Liebe

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannesbrief, 4,16)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Gemeindebote über die Liebe. Das ist eine Herausforderung. Denn was ist „Liebe“? Und wie lässt sie sich erklären? Wie definieren?

Geraten wir nicht selbst ins Stammeln? Suchen wir nicht nach Bildern? Nach Vergleichen? Wenn wir von der Liebe reden sollen?

Der Dichter Erich Fried sagt, was es ist:

 

Was es ist

 

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist, was es ist. Gegen alle Widerstände, gegen alle Vernunft und Einsicht, gegen alle Berechnung, gegen die Angst, gegen den Schmerz, sogar gegen die Erfahrung: Unerklärlich. Einfach Liebe. Und wen sie erwischt, der weiß, was es ist.

Gott ist die Liebe, sagt die Bibel. Und es ist typisch für Gott, dass er seine Liebe in einem ganz konkreten Menschen, in Jesus Christus, zeigt. Denn in ihm ist Gottes Liebe menschlich geworden. Jesu Liebe rettet die ehebrecherische Frau vor der Steinigung. Jesu Liebe erlöst den gehassten Zöllner Zachäus aus seiner Einsamkeit. Jesu Liebe rettet die Kinder vor dem Unmut der Erwachsenen. Jesu Liebe endet schließlich in der Hingabe am Kreuz.

Gott ist die Liebe. Diesen Satz kann man nicht ausloten. Nicht als Definition nehmen. Ich kann ihn mir aber sagen, besser noch: gefallen lassen. „Ich liebe dich...“, „ich gebe mich für dich“ – wie wohltuend ist es, diesen Satz zu hören. Dieser Satz fordert eine Antwort. Fordert mich selbst, mein Leben.

Überall, wo Menschen im Sinne Jesu füreinander da sind, wo sie umeinander ringen, füreinander einstehen, aneinander leiden, wo sie zärtlich, liebevoll, hingebungsbereit sind, da ist auch Gott. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Der Liedermacher Gerhard Schöne hat ein Lied gedichtet, das überschrieben ist mit: Das ist alles Liebe...

 

Wenn Dreizehnjährige nachts im Taschenlampenkegel / den ersten Brief beginnen an ihr Rockidol, / am Schluss mit rotem Lippenstift noch einen Kuss als Unterschrift. / Das ist alles Liebe...

Ich weiß, Verliebte, die getrennt sind, schauen manchmal /zu einem ganz bestimmten Stern zur gleichen Zeit. /Als hörte es der Liebste fern, so flüstern sie mit ihrem Stern. / Das ist alles Liebe...

Und unsre Nachbarn schmeißen dauernd mit den Türen. / Er brüllt herum und sie sitzt heulend auf dem Bett. /Und kommt er mal zu spät nach Haus, schaut sie am Fenster nach ihm aus. / Das ist alles Liebe....

Ich sah einmal zwei Männer, die zusammen leben, / in einer Badewanne, früh bei Kerzenschein. / Ein Frühstück mit Kaffee und Sekt, mit Trauben, Küssen und Konfekt. / Das ist alles Liebe...

Ich mag die zarten Gesten alter Liebespaare, / wenn er ihr vorliest und sie ihm den Nacken krault, / wenn sie den Glatzenschweiß wegtupft und er ihr Kleid gerade zupft.

Und stehen sie später auf dem Friedhof dann alleine, / erzählen sie dem Grabstein, wie das Leben spielt / und harken mit geübter Hand ‚n schönes Muster in den Sand. / Das ist alles Liebe...

Dieser Gemeindebote erzählt Geschichten von der Liebe. Lassen Sie sich anrühren, entdecken Sie die Liebe neu, und spüren Sie: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Marc Blessing