Ostern… dem Tod ins Gesicht singen

Der Morgen rötet sich und glüht, 

der ganze Himmel tönt von Lob, 

in Jubel jauchzt die Erde auf, 

und klagend stöhnt die Unterwelt.

Der starke, königliche Held 

zerbrach des Todes schweren Bann. 

Sein Fufl zertrat der Hölle Macht: 

Aus harter Fron sind wir befreit.

Er, den der Stein verschlossen hielt, 

und den man noch im Grab bewacht, 

er steigt als Sieger aus dem Grab, 

führt auf in strahlendem Triumph.

Schon werden alle Klagen stumm, 

in Freude wandelt sich der Schmerz, 

denn auferstanden ist der Herr; 

ein lichter Engel tut es kund.

Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit, 

der aus dem Grabe auferstand, 

dem Vater und dem Geist zugleich, 

durch alle Zeit und Ewigkeit. 

Amen.

 

Ambrosius von Mailand, aus der Laudes zum Ostersonntag

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

Vielleicht ist ein Hymnus wie der des Ambrosius, also ein Loblied, die angemessene Reaktion auf das Wunder der Auferstehung. Vielleicht erschließt sich der Sinn von Ostern mehr durch poetische oder geistliche Lieder als durch den Versuch einer vernünftigen Erklärung. Manchmal ist es dem Glauben dienlicher, sich hinein zu begeben in die Kraft einer Liturgie, in die Schönheit eines Hymnus, in die Schlichtheit eines Gebets. Wenn Todesgedanken und Todesmächte einen Menschen niederdrücken, dann nutzt das Reden oft nicht. Mir hilft, mit voller Kraft den alten Hymnus anzustimmen: Christ ist erstanden, von der Marter alle. Und selbst, wenn ich nur unzulänglich verstehe, was Ostern ist, das Singen macht etwas mit mir. Es nimmt mich hinein in den österlichen Jubel, der dem Tod nicht mehr Macht gönnt, als der Macht des Lebens. Das ist für mich Ostern: Dem Tod ins Gesicht singen von dem, der den Tod überwunden hat: Jesus Christus. 

 

Ihr Marc Blessing