250 Jahre Kirchenjubiläum

Ich würde das Gebäude am liebsten mit einer älteren, durchaus liebenswürdigen Dame vergleichen wollen. Diese Dame hat eine wunderbare Ausstrahlung. Würdig und mit einer gewissen Haltung wirkt sie auf die Menschen, 

die täglich am ‚Place du Bourg-de-Four‘ an ihr vorbei gehen. Ge- wiss, man sieht die Runzeln und Fältchen. Man denkt manchmal, die ältere Dame gehe etwas gebeugt un- ter der Last der Jahre. Vieles geht nicht mehr so leicht von der Hand. Der Rücken krümmt sich. Die Kno- chen knarzen manchmal. Viel tragen kann sie nicht mehr. Oft ist der älteren Dame kalt. Manchmal wird sie sogar etwas vergesslich. Dann denkt sie gern zurück an die früheren Jahre und erinnert sich. 

Wie sie hier aufwuchs. Wie sie im Viertel, ihrem Vier- tel, heimisch wurde. Der stündliche Gesang der Glocken von St. Pierre gehört zu ihren frühesten Er- innerungen. Oh ja, sie hat viel erlebt seit 1766. In ihrer Jugend war sie eine Schönheit. Zwischen all den großbürgerlichen Töchtern der Stadt wie der Justizia (Justizpalast) oder der Ekklesia (Kathedrale) war sie zwar weniger prominent, ja, sie wusste nach außen hin bescheiden zu wirken. Wer aber zu ihr kam, ent- deckte bald ihre inneren Werte. Sie sprach gern mit denen, die nur für einen Moment verweilten. Sie gab Heimstatt den Hilfesuchenden, wie oft bot sie den Obdachlosen eine Schlafmöglichkeit für die Nacht. Sie hatte ein o enes Ohr für alle Sorgen und Nöte, die man ihr antrug. Nicht selten kochte sie noch schnell einen Ka ee, setzte sich mit an den Tisch und nahm sich Zeit. Sonntags gab es leckeren Kuchen. Und wer nicht kommen konnte, den schloss sie in ihr Gebet mit ein. Wie viele Menschen sah sie kommen und gehen? Wie vielen Familien bot sie ein sicheres Zuhause? Und besonders für die Kinder hat sie bis heute ein großes Herz. Ja, sie verzeiht es ihnen, wenn sie manchmal mit ihr herumtollen und -toben wollen oder mit ihrem Kindergeschrei ihren Mittagsschlaf stören. 

Heute ist die Dame älter geworden, aber nicht alt. Sie kleidet sich noch immer angemessen. Ihre gute Stube hat sie erst vor einigen Jahren gemütlicher gestal- tet. Nur mit dem neuzeitlichen Krimskrams wie Internet und WLAN hat sie so ihre Schwierigkeiten. Die alten Knochen und Nerven sind etwas verkalkt. Alles geht etwas langsamer. Manchmal brennt auch schon mal eine Sicherung durch. Die Schnelligkeit der Welt macht ihr manchmal zu scha en. Doch sie, die von sich sagt, sie habe einen langen Atem und eine gehörige Portion Gottvertrauen, freut sich, dass man ihr immer wieder kleine Wohltaten erweist. Die zugigen Fenster sind schon fast alle ersetzt worden. Sie friert vor allem im Winter weniger. Auch ihren Keller, der manchmal feucht und klamm ist, will man jetzt wohnlicher gestalten. Es geht doch nichts über warme, trockene Füße. Hätte sie einen Wunsch frei, so sagt sie, wünschte sie sich, sie könne Menschen mit einer Gehbehinderung ebenso bei sich willkommen heißen, wie die, die ihre Treppen leicht erklimmen. 

Als ich sie frage, welches ihr liebstes Bibelwort ist, sagt sie: Früher hatte ich in meiner guten Stube die Seligpreisungen aufgehängt. Noch immer sind sie mir lieb und kostbar. Aber heute würde ich sagen: Es ist ein Psalm. Ein Dankgebet. Denn ich bin dankbar für den Segen der Jahre. Aus Psalm 103: 

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist seinen heiligen Namen, lobe den Herrn meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. 

Marc Blessing 

 

 

Welcome to this house


. . . and like living stones, let your- selves be built into a spiritual house . . . (1 Peter 2:5) 

Living stones. A spiritual house. This is one of the im- ages the writer of the First Letter of Peter uses for the church generally. It’s an important reminder that the church is never just bricks and mortar. First and fore- most, the church is always the people God calls to- gether to be signs of Christ’s love in the world, never limited to one place or structure.

The story of the Evangelical Lutheran Church of Gene- va is rst and foremost the story of the living stones, the people who have been the church in this place for more than three centuries. But for the past 250 years, a building has been an integral part of that story as well. A building has provided a house for the living stones. 

or the past 250 years, Lutherans have had a house on the Bourg-de-Four. A place to worship, to gather, to share stories, to nd rest and renewal and inspiration. A place to o er hospitality and welcome strangers and be equipped for ministry and service.

In this special joint newsletter of the German- and English-Speaking Congregations of the ELCG, you will find a glimpse into this house—some examples of ways in which this building has been and continues to be part of our church’s story. Like any house, this one needs to be tended and cared for, and you will also nd here a glimpse into some of the dreams we have for the future. 

So welcome. Welcome to this newsletter celebrat- ing 250 years of our church building, and welcome to this house of worship and service, this house of living stones with a story to tell and dreams to share.

Andy Willis

Pastor, English-Speaking Congregation