Jesus

Jesus – nur wenige Menschen haben ihn persönlich erlebt. Nur ein paar tausend Leute vielleicht sind ihm „in echt“ begegnet. Er ist nie außerhalb seines Landes gewesen (wenn man mal von der Flucht nach Ägypten absieht, die als unhistorisch gilt). Er hat kein Buch geschrieben. Keine Armee angeführt. Er hat kein Land regiert. Sein öffentliches Wirken, so sagen Forscher, hat nur ein Jahr gedauert. Die Römer haben ihn für so unbedeutend gehalten, dass sie noch nicht einmal seinen Tod in ihren Geschichtsbüchern für erwähnenswert gehalten haben. 

2000 Jahre später haben wir unsere Zeitrechnung an ihm ausgerichtet. Die Bibel, die als eines der wenigen Dokumente überhaupt von ihm berichtet, ist in jedem Jahr das meist verkaufte Buch weltweit und wird in Bestsellerlisten schon gar nicht mehr aufgenommen. Über keine andere Figur der Weltgeschichte sind mehr Kunstwerke entstanden als über Jesus. Niemand hat die Gründung von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Universitäten und nicht zuletzt Sakralbauten mehr inspiriert als er. Für niemanden sind mehr Lieder geschrieben worden. Tausende und Abertausende geben noch heute für ihn ihren Besitz und ihre Karriere auf, reisen um die Welt, opfern ihre Gesundheit und in manchen Regionen dieser Welt auch ihr Leben. Die Jesus-Bewegung, die vor zweitausend Jahren begann, wächst weiter. Bis heute.

 

Und wir? Die Konfirmandinnen und Konfirmanden der lutherischen Kirche haben Texte und Gedichte über Jesus verfasst, die Sie in diesem Gemeindeboten finden. Die Jugendlichen haben sich vorgestellt, wie das wäre, wenn Jesus heute noch einmal auf die Welt käme. Wie würde er unsere Zeit sehen? Kritisch? Zustimmend? Und sie haben über ihre Haltung zu diesem Jesus nachgedacht. 

Eine gute, vielleicht die beste Möglichkeit, sich der Person Jesu zu nähern, ist, ein Evangelium zu lesen. Also Bibel auf. Neues Testament. Das zweite Evangelium. Das Markusevangelium ist das kürzeste. Die anderen Evangelisten, Lukas und Matthäus und Johannes, haben zum Teil gleiche Quellen gehabt wie Markus oder direkt bei ihm abgeschrieben. 

Wer sich dem Leben Jesu und seinen Worten ganz unbefangen nähert, wird einen Menschen entdecken, durch den in besonderer Weise Gott nahe kommt. Jesus hat aus der Gottesnähe heraus gelebt. Und was er tat, tat er in Verantwortung und in Liebe zu Gott. Dass man ihn am Ende wie einen Verbrecher gekreuzigt hat, blieb nicht folgenlos. Paulus hat später den Kreuzestod Jesu geradezu zum Kern seiner Briefe gemacht. Er sah darin die Konsequenz eines Lebens, das solidarisch war mit den Menschen, die ganz unten waren. Durch den Tod am Kreuz rettete Jesus gerade die, die in der Totenwelt gefangen waren. Zu ihnen brachte er das Heil. „Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christus alle lebendig gemacht. „ (1. Kor. 15,22). 

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre und schließe mit einem Text von Lothar Zenetti. 

 

 

 

 

 

„ICH KENNE EINEN, 

der ließ sich von uns die Suppe versalzen, 

der ließ sich von uns die Chancen vermasseln, 

der ließ sich von uns das Handwerk legen, 

der ließ sich von uns für dumm verkaufen, 

der ließ sich einen Strick drehen, 

der ließ sich an der Nase herumführen, 

der ließ sich übers Ohr hauen, 

der ließ sich von uns kleinkriegen, 

der ließ sich von uns in die Pfanne hauen, 

der ließ sich von uns aufs Kreuz legen, 

der ließ sich von uns Nägel mit Köpfen machen, 

der ließ sich zeigen, was ein Hammer ist, 

der ließ sich von uns festnageln auf sein Wort, 

der ließ sich seine Sache was kosten, 

der ließ sich sehen am dritten Tag, 

der konnte sich sehen lassen.“ 

(Lothar Zenetti) 

Ihr Marc Blessing