Himmelsduft und Höllengestank

Gut 20.000 Mal holen wir jeden Tag mit jedem Atemzug etwas von den Gerüchen der Welt in uns hinein.

Düfte lösen in uns Wohlbefinden oder Abwehr aus.

Was riechen Sie besonders gern? 

Frischen Basilikum, die Seeluft, die vom Genfer See hinüberweht, oder Brot, das direkt aus dem Ofen kommt? 

Den Duft des Morgenkaffees? 

Den Geruch von frisch gewaschenem Kinderhaar? 

Das Parfum Ihrer Frau? 

Ah, sagen wir, Du riechst heute wunderbar. 

Himmelsdüfte. 

Wir können wohl auch mühelos sagen, was uns „stinkt“. 

Das verschwitzte T-Shirt nach dem Sport. 

Übergelaufene Milch. 

Die Abgase des Verkehrs. 

Oder im übertragenen Sinne: 

Trump, der das Pariser Klimaabkommen aufkündigt. 

Müllberge, die zum Himmel stinken. 

Tonnen von Plastik, die die Weltmeere vergiften. 

Höllengestank. 

Es ist etwas Geheimnisvolles mit dem Geruchssinn, auch, weil Gerüche wie Gefühle sind. Unbewusst steuern sie unser Verhalten. Sympathie oder Antipathie. 

Je mehr „übelriechende Strukturen“ als todbringende Mächte erkannt werden, desto mehr wird die Nase geschärft für die Welt des Wahren und Echten, für die Welt des Lebens und des Wohlgeruchs. Der Geruchssinn ist ein guter Indikator für das, was gut ist und das, was verändert werden muss. 

Stimmen Glauben und Handeln überein, so bezeichnet Paulus Christinnen und Christen als „Christi Wohlgeruch“ (2. Kor. 2, 15f), als „Geruch des Lebens, der das Leben bringt.“ Sind wir anderen Menschen angenehm? Atmen sie in unserer Nähe auf? Oder rümpfen sie die Nase und verziehen das Gesicht? Sind wir ein Wohlgeruch Christi? 

Auch Konfessionen riechen unterschiedlich: In katholischen oder orthodoxen Kirchen duftet es oft nach Weihrauch, in lutherischen Kirchen gern nach Kerzen, bei den Reformierten nach frischen Blumen. In allen Kirchen aber auch ganz weltlich nach Putzmittel. 

Die ökumenische Schöpfungszeit 2017 legt unter der Themenreihe „fünf Sinne“ den Schwerpunkt auf den Geruchssinn. Vom 1. September, der bei Orthodoxen und Katholiken als Tag der Schöpfung gilt, bis zum evangelischen Erntedankfest am 1. Oktober, soll die Bewahrung der Schöpfung unter der Überschrift „Himmelsduft und Höllengestank“ erschlossen werden. 

Dieser Gemeindebote greift die Thematik mit Texten, Gebeten und Gedichten auf. Wir wünschen angenehme Lektüre. 

Marc Blessing