Aktuelle Nachrichten und lebendige Eindrücke auch aus fern gelegenen Hilfsprojekten zu erhalten, ist für uns vom Projektkreis immer eine besondere Freude.
In der Monatssitzung vom Februar berichtete uns Barbara Ehringhaus über ihren Besuch im Favelaprojekt Monte Azul, Sao Paulo, Brasilien. Als die Waldorflehrerin Ute Craemer um 1975 in den damals weitgehend aus Pappe und Brettern bestehenden Hütten mit Hilfe der Mütter die ersten Lernorte und Spielbereiche für Favelakinder einrichtete, war Frau Ehringhaus persönlich dabei und begleitete den Aufbau mit Rat und Tat. Nach ihrer Übersiedelung in die Schweiz brachte sie das Projekt in unsere Gemeinde. Seither haben wir die erstaunliche Verwandlung der Favela verfolgt und mit regelmäßigen Spenden unterstützt; um nur einige Schritte zu nennen: Trennung von Trinkwasser und Abwasser, Müllverwertung, Aufmauern der Hütten und Wege, Kulturzentrum, Gesundheitszentrum, Lehrwerkstätten, Ausdehnung der pädagogischen Arbeit auf zwei weitere Favelas, neuerdings eine kleine Waldorfgrundschule. All dies weitgehend getragen von Menschen, die in der Favela aufwuchsen. Frau Ehringhaus erzählte gerührt, wie sie in adrett gekleideten Mitarbeiterinnen und Helfern ihre ehemaligen Schützlinge wiedererkannte. Immer in der Vergangenheit waren große Hindernisse zu überwinden. Heute sind diese nicht nur durch die immer noch große Armut breiter Schichten bedingt, sondern resultieren auch aus dem wirtschaftlichen Aufstieg Brasiliens:Kriminalität und Drogen-handel nehmen zu, aber auch übertriebene staatliche Anordnungen erschweren das spontane menschliche Miteinander und die freie pädagogische Arbeit. So wurde von der Stadt eine komplette Neuanlage der Kinderhorträume eingefordert. Auch diese große finanzielle Hürde ist genommen und das Bild zeigt, dass die Erziehung im neuen Haus den kreativen Prinzipien der Waldorfpädagogik treu bleibt. Allerdings erhalten die größeren Kindergarten-kinder keine staatliche Unterstützung mehr, seit die Schulpflicht an äußerst fragwürdigen öffentlichen Schulen) mit vier Jahren beginnt. Auch die eigene Geburtsklinik „Casa Angela“, in der die werdenden Mütter und neuen Familien liebevoll begleitet und medizinisch beraten werden, stößt auf Vorbehalte. Denn in Brasilien ist der Hebammenberuf abgeschafft und der Kaiserschnitt in einer Klinik gilt als die fortschrittliche Art des Gebärens. Jedoch nicht alle Frauen des Mittelstandes sind dieser Ansicht, und mit ihrer Hilfe hofft man, eine kostenlose Betreuung der Armen ermöglichen zu können. Ohne Spenden wird es allerdings auch dann nicht gehen. Mit dem großen Dankeschön für jahrzehntelange Unterstützung übermittelte unser Gast daher auch die herzliche Bitte um weitere Hilfe.
Für den Projektkreis Ulrike Frank
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Elisabeth Ellwanger