Das Programm zum Reformationsjubiläum in unserer Kirche im Überblick

vor 500 Jahren, im Jahr 1517, löste ein bis dato noch recht unbekannter Mönch und Theologieprofessor ein kleines Erdbeben aus. Er nagelte, so wird kolportiert, 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und protestierte damit gegen den Ablasshandel der Kirche seiner Zeit. Kurze Zeit später wurden - dank der Gutenbergschen Druckerpresse - diese Thesen auf vielen Flugblättern im ganzen Reich verbreitet und damit begann eine der folgenreichsten Umwälzungen in der europäischen Kirchen- und Kulturgeschichte. Das Mittelalter mit seinen hierarchisch festen Sozial- und Herrschaftsstrukturen begann zu bröckeln, und aus den Trümmern erhob sich die Neuzeit mit vehementen Freiheitsbewegungen, einer nach Autonomie und Selbstbestimmung strebenden Bevölkerung, einer reformbedürftigen und zumindest in Teilen reformfähigen Kirche, mit einem Bildungsbegriff, der auch die unteren Schichten umfasste, und einem Menschenbild, das sich der Bibel und dem Humanismus verdankte. Durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche schuf Martin Luther nicht nur die deutsche Schriftsprache. Er eröffnete den Menschen vielmehr den Zugang zur Quelle der Erkenntnis und zum Fundament ihres Glaubens. 

 
Dass wir heute in wesentlichen, letzten Fragen das Recht haben, uns auf unser Gewissen zu berufen, verdanken wir Martin Luther. Dass wir nicht mehr Autoritäten-hörig sind, sondern selbst uns Urteile über das Leben, die Welt, den Glauben, ja über Gott bilden dürfen, ganz ohne schlechtes Gewissen, verdanken wir ihm. Wie sähen moderne Demokratien heute aus, gäbe es nicht den kritischen, protestantischen Geist, der alles Dogmatische, Autoritäre, prüft und das Beste behält? Dass heute jedes Kinder zur Schule gehen muss - oder darf - ist ein Verdienst der Reformation eines Martin Luthers und eines Philipp Melanchthons. Ohne diesen starken Bildungsimpuls wäre die Reformation nie zu einer so breiten und in die Bevölkerung hinein diffundierenden Bewegung geworden. Und Europa wäre womöglich noch immer eher mittelalterlich als modern geprägt. 

 
Es gibt auf jeden Fall Grund genug, dankbar und kritisch zugleich auf die 500 vergangenen Jahre zu blicken und für die Fragen und Herausforderungen unserer Zeit Antworten zu suchen. Je besser wir wissen und verstehen, wie wir geworden sind, was wir sind, desto zuversichtlicher werden wir auch die gegenwärtigen Zukunftsfragen beantworten können. 

Das Programm im Überblick:

Sonntag, 12. März 2017, 17.30 Uhr, Lutherische Kirche Genf
LUTHERISCHE VESPER (ABENDGOTTESDIENST)
mit Werken von Heinrich SCHÜTZ, Johann Hermann SCHEIN, Samuel SCHEIDT und Michael PRAETORIUS
Kantorei der lutherischen Kirche Genf, Leitung: Regine Kummer
Predigt: Pfarrer Marc Blessing

Mittwoch, 15. März 2017 , 19.00 Uhr, Lutherische Kirche Genf
VORTRAG: REFORMATION AN RHEIN UND RHONE – DIE HUMANISTISCHE WURZEL – anschließend Apéro
Prof. Dr. Martin Wallraff, Basel
In Kooperation mit dem Deutschen Internationalen Club, Genf

Freitag, 28. April, 15.00 Uhr, Gemeindehaus St. Boniface
ÖKUMENISCHER GEMEINDENACHMITTAG: DIE FRAUEN DER REFORMATION
Pfarrer Matthias Burghardt, Genf
In Kooperation mit der römisch-katholischen St. Boniface-Gemeinde und der
Deutsch-Schweizer reformierten Kirche Genf

Dienstag, 16. Mai, 19.00 Uhr, Cinéma du Grütli, Genf, geplant.
FILMVORFÜHRUNG „LUTHER“ –
mit Joseph Fiennes, Sir Peter Ustinov, Bruno Ganz, Claire Cox
In Kooperation mit dem Deutschen Internationalen Club Genf

Samstag, 20. Mai bis Dienstag, 30. Mai 2017, Wittenberg
REFORMATION UND AUFKLÄRUNG beim GASTHAUS ÖKUMENE, WITTENBERG
Der Bund Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und in Liechtenstein präsentiert mit der Ausstellung „Reformation und Aufklärung“ ein Stück Europäisch-Schweizerische Reformationsgeschichte auf dem Expo-Gelände in Wittenberg
In Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Deutschland

Juli bis August 2017, Lutherische Kirche Genf
PREDIGTREIHE ÜBER AUSGEWÄHLTE SCHRIFTEN, LIEDER und TEXTE MARTIN LUTHERS, u.a.:
„95 Thesen statt 99 Luftballons“ (Matthias Burghardt)
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr und niemandes Untertan“ (Dagmar Magold)
„Aus einem traurigen Arsch kommt selten ein fröhlicher Furz“ - Luthers Tischreden oder die humorvolle Seite des reformatorischen Glaubens (Marc Blessing)

Sonntag, 10. September, 11.00 Uhr, Temple de la Madeleine
„BOUND TO BE FREE“ – FESTGOTTESDIENST 500 JAHRE REFORMATION
Predigt: Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes
Bund Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und in Liechtenstein
Deutsch-Schweizer Reformierte Kirche Genf
Dänische, Schwedische, Norwegische, Finnische und Madegassische Lutherische Kirchen in der Schweiz
Im Anschluss Mittagessen auf dem Bateau de Genève

Freitag 27. Oktober 2017, 19.00 Uhr, Temple de la Madeleine
VORTRAG UND SINGEN: “REFORMATION UND MUSIK – DIE REFORMIERTE SICHT”
Andreas Marti, Uni Bern und dem/der Organiste titulaire à la Madeleine

Samstag, 28. Oktober 2017, 19.00 Uhr, Temple de la Madeleine, projektiert!
KONZERT: FRÜHREFORMATORISCHES LIEDGUT, ERFURTER ENCHIRIDION, GEORG RAU, JOHANN WALTER, u.a.
Studierende der Haute Ecole de la Musique, Genf, Leitung: Jean-Yves Haymoz
In Kooperation mit der Espace Fusterie

Sonntag, 29. Oktober 2017, 9.30 Uhr, Evangelisch-Lutherische Kirche Genf
FRAU MUSIKA – ÖKUMENISCH-MUSIKALISCHER GOTTESDIENST zu 500 JAHRE REFORMATION
In Kooperation mit der Deutsch-Schweizer Reformierten Gemeinde, Genf
Liturgie und Predigt: Pfarrerin Katharina Vollmer-Mateus, Pfarrer Marc Blessing

Dienstag, 31. Oktober 2017, 19.00 Uhr, Evangelisch-Lutherische Kirche Genf
„UND WENN DIE WELT VOLL TEUFEL WÄR“
ABENDGOTTESDIENST ZUM GEDENKEN AN 500 JAHRE REFORMATION
Marc Blessing, Matthias Burghardt, Dagmar Magold

Freitag, 3. bis Sonntag, 5. November 2017, Palexpogelände Genf und Kirchen in der Genfer Altstadt (auch luth. Kirche Genf)
REFORMA(C)TION – EVANGELISCHES JUGENDFESTIVAL
In Kooperation mit dem Schweizer Evangelischen Kirchenbund (SEK)

Sonntag, 26. November 2017, 9.30 Uhr, lutherische Kirche Genf
KANTATENGOTTESDIENST: GOTTES ZEIT IST DIE ALLERBESTE ZEIT
ACTUS TRAGICUS, BWV 106, J.S. BACH
Kantorei der Lutherischen Kirche Genf, Leitung: Regine Kummer
Predigt: Pfarrer Marc Blessing